Foto: Crönlein/GBS News-Online

„HamelonExpress“ zum Mittelalter- und Fantasy-Markt

Eine der letzten Fahrten der Eisenbahnfreunde Treysa vor der Pandemie

TREYSA
(red/kec) Hameln, eine sagenhafte Stadt voller dunkler Geheimnisse, die Tragik einer jahrhundertealten Geschichte und eine historische Kulisse die ihresgleichen sucht – das perfekte Ambiente für die Mystica Hamelon.

Es ist eine Reise wert. Doch warum mit dem Auto reisen, wenn eine Zugfahrt in historischen Waggons bequem und stressfrei möglich ist? Die Eisenbahnfreunde Treysa machten es mit dem Sonderzug „HamelonExpress“ Anfang März möglich. Also zu einer Zeit noch vor der Corona-Kriese.

Morgens ab 8:40 Uhr startete die Fahrt in Frankfurt Richtung Hameln. Für diese Fahrt hatte man verschiedene Haltepunkte eingeplant. Haltepunkte wie beispielsweise Friedberg, Butzbach, Gießen oder Marburg und natürlich auch in Treysa, wo die Fahrgäste noch zusteigen konnten. Weiter nach Wabern, Kassel-Wihelmshöhe über Göttingen um nur einige zu nennen ging es nach Hameln. Gezogen wurde der Sonderzug mit der E-Lok der Baureihe 111. Von ihr wurden in den Jahren von 1974 bis 1984 nur 227 gebaut, erklärte uns Marvin von den Eisenbahnfreunden Treysa. Mit einer Höchstgeschwindigkeit von 160 km/h schnurrt sie davon. Dampfen kann sie ja als E-Lok nicht.

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Im Zug, der mit rund 400 Fahrgästen besetzt war, erklärten Mitglieder der Eisenbahnfreunde Treysa in stilgerechten Gewändern als Vertreter der Wikinger den Fahrgästen, weshalb man diese Fahrt macht. Es sei eine ganz neue Fahrt der Eisenbahnfreunde Treysa. Bei anderen Fahrten würde man thematisch im Eisenbahnbereich bleiben. Im Speisewagen war für Speisen und Getränken bestens gesorgt.

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Stets gut informiert wurden die Fahrgäste mit lockeren Durchsagen von Zugführer Christoph Herres, der auch im Berufsleben mit Herzblut Zugführer ist. Solche Sonderfahrten sind für Herres wie Urlaub, sieht doch der Alltag oft anders aus. Hier hat man noch Respekt gegenüber dem Zugführer. Für ihn ist es nicht nur ein Beruf, sondern eine Berufung, wie er selbst oft sagt. Und er liebt die alten Waggons.

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Nicht zu vergessen sind auch die anderen Vereinsmitglieder, die alle ehrenamtlich solche Fahrten auf die Beine stellen. Wochen-, ja sogar monatelange Planung und Organisationen sind notwendig, damit solche Fahrten stattfinden können. Und, es ist ein großer Kostenfaktor. Da ist der Einkauf von Speisen und Getränken noch das kleinste Problem. Fast wäre diese Fahrt ins Wasser gefallen. Denn die ursprünglich geplante E-Lok war mit einem Schaden ausgefallen. Zum Glück konnte der Verein kurzfristig eine Ersatzlok organisieren.

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In Hameln angekommen, ging es dann in die Innenstadt zum Mittelalter- und Fantasy-Markt. Altbewährtes Lagerleben, Ritter, Handwerker, Händler, Gaukler und Musici trafen auf Mythen, Sagen und Legenden. Gewandete aus ganz Europa pilgerten in die Rattenfängerstadt – ein einmaliges Erlebnis aus längst vergangenen Tagen!

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Vom kleinsten historischen Riesenrad der Welt, über Axtwerfen bis zum Kinder-Ritterturnier reihte sich eine phantastische Vielfalt an Aktionen aneinander. Leckere Speisen, schönste Handwerkskunst, feinste Gewänder, Schmuck und Stoffe wurden feilgeboten – über 150 Stände in authentisch mittelalterlicher Manier, mit mehr als 200 Programmpunkten fügten sich perfekt ein, in die traumhafte Kulisse der Hamelner Altstadt.

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Gegen Abend traten die Fahrgäste des Sonderzuges wieder die Heimreise an. Und wie sich das für unseren Reporter, der zudem auch ein Eisenbahnfan ist gehört, fragte er quer – Pardon – längs durch den ganzen Zug einige Fahrgäste, wie sie die Fahrt und den Markt fanden. So meinte Jenny aus Schwalmstadt: „Ich bin das zweite Mal mitgefahren. Es war super.“ Sie habe zwar auf eine Dampflok gehofft, wusste aber, dass der Sonderzug von einer E-Lok gezogen wird. Bastian, ein junger Mann, meinte: „Das ist das erste Mal, dass ich mit so einer Eisenbahn mitgefahren bin. Ich finde es ziemlich cool. Es ist mal etwas anderes.“

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Kalu aus Wetzlar, so stellte sich uns ein älterer Mann vor, hatte 20 Minuten vor der Abfahrt Birgit kennengelernt. Seine eigentliche Eisenbahnfreundin sei krank geworden. Nun hatte er eine Fahrkarte übrig. Birgit hatte keine. Sie wollte ja nur den Sonderzug am Bahnhof sehen. Spontan hatte Kalu Birgit eingeladen. So fuhren die Zwei nach Hameln und waren begeistert von der Fahrt und dem Mittelaltermarkt. So sagte er zu uns: „Mit dem Gefühl, was ich heute hier erlebe, werde ich noch öfters mitfahren. Ich finde den Geruch, die alten Wagen, die Geräusche und die Innenausstattung von damals toll.“ Als Eisenbahnfan und Leser von Mittelalter-Romanen war diese Fahrt für Kalu besonders geeignet.

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Miki aus Kassel ist auch zum ersten Mal mitgefahren und erzählt uns: „Es ist etwas ganz Neues für mich. Ich bin zuvor noch nie mit so einer Bahn gefahren und genieße es sehr. Auf einem Mittelaltermarkt war ich schon oft, aber noch nie entspannt mit der Bahn.“

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Christiane aus Hannoversch Münden ist nicht das erste Mal dabei. Diese Fahrt musste sie unbedingt mitmachen, zumal ihr Sohn in Hameln wohnt. Erstaunt war sie über die Geschwindigkeit des Zuges. „Das hätte man gar nicht erwartet, wie fix der Zug ist“, sagte sie. So war sie natürlich auch auf dem Mittelaltermarkt. „Was mich ganz besonders fasziniert hat, waren die tollen Kostüme – sagenhaft!“ Auf die Frage, ob sie wieder mitfahren würde, antwortete sie: „Ganz bestimmt. Aber ich würde gerne mitfahren, wenn eine richtige Dampflok fährt.“

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Wie es mit den Eisenbahnfreunden weitergeht, weiß der Verein derzeit auch nicht. Auf der Facebook-Seite schreibt der Verein: „Eigentlich hätte heute unsere 1. Fahrt an den Rhein stattfinden sollen. Leider sind auch wir gezwungen, die Dampflok kalt im Schuppen stehen zu lassen. Wir setzen unsere ehrenamtliche Arbeit zu Hause in Form von Büroarbeit fort. Wir freuen uns, wenn wir wieder auf Reisen gehen dürfen. Bis dahin bleibt bitte gesund.“

Wer sich über zukünftige Fahrten interessiert, der findet alle Informationen in Facebook oder auf der Homepage www.eftreysa.de.

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