Symbolfoto: GBS News-Online

Gullydeckel-Attacke vorgetäuscht? Lokführer vor Gericht

DNA-Spuren führten zum Lockführer

BAD BERLEBURG
Am Samstagmorgen (13.04.2019) gegen 06.25 Uhr ist ein Zug der Hessischen Landesbahn (HLB) auf der Fahrtstrecke von Erndtebrück nach Bad Berleburg beschädigt worden. Im Bereich der Brücke „Am Steinchen“ durchschlugen massive Gegenstände die Frontscheibe des Zuges. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich dabei um mehrere Gully-Deckel, die an Seilen befestigt auf Höhe der Fahrerkabine von dem Brückenbauwerk herabhingen.

Die ersten Ermittlungsergebnisse deuteten darauf hin, dass in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (12.04.2019) vier Gully-Deckel aus der Kreisstraße 31 in Hilchenbach zwischen den Ortsteilen Allenbach und Grund gestohlen und bei der Tat in Bad Berleburg verwendet wurden.

Damals sind die Ermittler von einem versuchten Mord ausgegangen. So hieß es in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Siegen, der Mordkommission des Polizeipräsidiums Hagen und der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein: „Nur dem instinktiv richtigen Handeln des 49-jährigen Zugführers ist es zu verdanken, dass dieser nur leicht verletzt wurde. Es befanden sich keine Fahrgäste in dem Zug, da es sich bei der Fahrt fahrplanmäßig um eine Leerfahrt handelte.“

Vor dem Hintergrund dieses Vorfalls wurde die zuständige Mordkommission des Polizeipräsidiums Hagen unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Kern alarmiert.

Nun stellt sich der Sachverhalt anders heraus und der Lokführer selbst steht vor Gericht. Laut Anklage soll er einen Gullydeckel von einer Brücke hinabhängen und absichtlich dagegen gefahren sein. Somit habe der heute 50-Jährige den Unfall selbst verursacht und den Anschlag vorgetäuscht. So steht der Lokführer wegen Vortäuschens einer Straftat und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr in Bad Berleburg (NRW) vor Gericht. Der 50-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Am Samstagmorgen (13.04.2019) gegen 06.25 Uhr baumelten Gullydeckel von der Brücke. Der Regionalzug der HLB krachte frontal in die Kanalschachtdeckel. Sie schlugen ein großes Loch in die Frontscheibe. Der 50-jährige Lokführer blieb unverletzt. Die HLB hatte nach dem Vorfall von einem „ungeheuerlichen Anschlag“ gesprochen, bei dem bewusst der Tod eines Menschen in Kauf genommen worden sei. Der Lockführer wurde damals von allen Seiten für sein „instinktiv richtige Handeln“ gelobt. „Wir sind heilfroh, dass durch seine geistesgegenwärtige Reaktion nichts Schlimmeres passiert ist“, hieß es von der HLB.

Doch wie kommt es nun zur Anklage gegen den Lokführer? Es wurden DNA-Spuren des Lokführers an der Seilkonstruktion festgestellt. Ermittler fanden bei Wohnungsdurchsuchungen Schneidewerkzeuge, Handschuhe sowie ganz ähnliche Knoten wie an der Gullydeckel-Konstruktion am Brückengeländer. Das Motiv ist bisher völlig unklar. Bei einer Verurteilung drohen dem 50-Jährigen bis zu vier Jahre Haft.

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