Symbolfoto: GBS News-Online

Lokführer der HLB: Ein Jahr und neun Monate Haft ohne Bewährung

Haftstrafe für Lokführer in Gullydeckel-Prozess

BAD BERLEBURG
Ein Lokführer der Hessischen Landesbahn (HLB) muss für 21 Monate ins Gefängnis, weil er einen Anschlag auf seinen eigenen Zug verübte. Das Amtsgericht in Bad Berleburg (NRW) verurteilte den 50-Jährigen wegen Vortäuschens einer Straftat und vorsätzlichen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr zu ein Jahr und neun Monate Haft ohne Bewährung. Damit folgte das Gericht der Forderung der Staatsanwaltschaft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Am Samstagmorgen (13.04.2019) (wir berichteten hier) gegen 06.25 Uhr war der Zug der Hessischen Landesbahn (HLB) auf der Fahrtstrecke von Erndtebrück nach Bad Berleburg beschädigt worden. Im Bereich der Brücke „Am Steinchen“ durchschlugen massive Gegenstände die Frontscheibe des Zuges. Nach ersten Erkenntnissen handelte es sich dabei um mehrere Gully-Deckel, die an Seilen befestigt auf Höhe der Fahrerkabine von dem Brückenbauwerk herabhingen.

Die ersten Ermittlungsergebnisse deuteten darauf hin, dass in der Nacht von Donnerstag auf Freitag (12.04.2019) vier Gully-Deckel aus der Kreisstraße 31 in Hilchenbach zwischen den Ortsteilen Allenbach und Grund gestohlen und bei der Tat in Bad Berleburg verwendet wurden.

Damals sind die Ermittler von einem versuchten Mord ausgegangen. So hieß es in der Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Siegen, der Mordkommission des Polizeipräsidiums Hagen und der Kreispolizeibehörde Siegen-Wittgenstein: „Nur dem instinktiv richtigen Handeln des damals 49-jährigen Zugführers ist es zu verdanken, dass dieser nur leicht verletzt wurde. Es befanden sich keine Fahrgäste in dem Zug, da es sich bei der Fahrt fahrplanmäßig um eine Leerfahrt handelte.“

Vor dem Hintergrund dieses Vorfalls wurde die zuständige Mordkommission des Polizeipräsidiums Hagen unter der Leitung von Kriminalhauptkommissar Kern alarmiert.

Es war alles ganz anders
Nun stellt sich der Sachverhalt anders heraus und der Lokführer selbst stand vor Gericht und das Urteil wurde verkündet. Das Gericht ist davon überzeugt, dass der Mann im April 2019 zwei Gullydeckel an Seilen befestigt und an einem Brückengeländer aufgehängt hat. Bei der frühmorgendlichen Fahrt krachten die schweren Kanaldeckel in die Frontscheibe Regionalbahn der HLB, die mit 50 km/h unterwegs war, und hinterließen dort ein großes Loch. Der Lokführer blieb dabei unverletzt.

Somit habe der heute 50-Jährige den Unfall selbst verursacht und den Anschlag vorgetäuscht. So stand der Lokführer wegen Vortäuschens einer Straftat und gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr in Bad Berleburg (NRW) vor Gericht. Der 50-Jährige bestreitet die Vorwürfe.

Die Beweise
Doch wie kam es nun zur Anklage gegen den Lokführer? Es wurden zahlreiche Polizeibeamte und Gutachter befragt. Zudem wurden DNA-Spuren des Lokführers an der Seilkonstruktion festgestellt. Ermittler fanden bei Wohnungsdurchsuchungen Schneidewerkzeuge, Handschuhe sowie ganz ähnliche Knoten wie an der Gullydeckel-Konstruktion am Brückengeländer. Das Motiv ist bisher völlig unklar.

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