Foto: R. Euler

Wer hat den Eisvogel gesehen?

NABU-Arbeitskreis Eisvogel sammelt Winter-Beobachtungen

Seit rund 40 Jahren beobachtet der Arbeitskreis Eisvogel des Naturschutzbundes (NABU) im Main-Kinzig-Kreis die Bestandssituation des fliegenden Edelsteins im Kreisgebiet sowie in Hessen. Zahlreiche ehren­amtlich aktive Vogelschützer tragen jährlich Daten zusammen, um die Entwicklung der Eisvogel­population zu dokumentieren.

„Während normalerweise vor allem die Brutbestände der Art in den Sommermonaten im Mittelpunkt stehen, wollen wir jetzt wissen, wo sich Eisvögel in den Wintermonaten aufhalten“, berichtet Arbeitskreisleiter Dr. Matthias Kuprian. 

„Winterbeobachtungen wurden bisher eher zufällig dokumentiert“, ergänzt Diplom-Biologin Sibylle Winkel vom NABU Main-Kinzig. „Wir wissen aber, dass sich die wärmeliebenden Tiere gerne dort auf­halten, wo Frost und Eis eher seltener auftreten. Allerdings ist die Datenlage an Winterbeobach­tun­gen relativ dünn“, bedauern Matthias Kuprian und Sibylle Winkel. Gemeinsam mit anderen NABU-Kreisverbänden möchte der NABU MKK daher möglichst viele Eisvogelbeobachtungen zwischen November und März dokumentieren.

Denn Eisvögel haben es nicht leicht: Die Mortalität unter den Jung- und Altvögeln ist ausgesprochen groß. Aufgrund von Beringungs­ergebnissen konnten Ornithologen den Schluss ziehen, dass bis zu 75% der Altvögel pro Jahr sterben. Und auch viele Jungvögel überleben kaum die ersten Wochen. Eisvögel kompensieren daher die großen Verluste durch mehrere Bruten im Jahr, wobei es auch zu sogenannten sich überlappenden Schachtelbruten kommen kann. Während die erste Brut noch nicht ausgeflogen ist, wird das zweite Gelege bereits bebrütet. In seltenen Fällen können so bis zu 4 Bruten im Jahr ausfliegen.

Vor allem im Winter aber fordern Eis und Schnee ihren Tribut von den Eisvogelpopulationen. Verhungern und Erfrieren gehören zu den Haupt-Todesursachen besonderes in sehr strengen Wintern, wenn die Tiere aufgrund zugefrorener Gewässer keine kleinen Fische mehr jagen können, berichtet NABU-Biologe Bernd Petri vom NABU-Kreisverband Groß-Gerau.

Daher häufen sich Eisvogelbeobachtungen in den Wintermonaten besonders im Rhein-Main-Gebiet, im hessischen Ried und selbst in der in der Kernstadt von Frankfurt, wie Volker Bannert vom NABU Frankfurt zu berichten weiß. Die tiefen Lagen Hessens sind bereits von Natur aus milder als die Mittelgebirge. Hinzu kommen die zahlreichen Wärmequellen der Stadt, die das städtische Umfeld gegenüber dem Umland leicht erwärmen. Auch Fließgewässer frieren durch die Bewegung des Wassers nicht so schnell zu wie stehende Gewässer. „Im hessischen Ried sind Eisvögel im Winter deshalb gern an Gräben und nicht zugefrorenen Bächen,“ so Bernd Petri.

Dagegen werden Nachweise von Alcedo atthis, so der wissenschaftliche Name des Eisvogels, in den höheren Lagen – beispielsweise in der Rhön – selten, ergänzt Jörg Burkard vom NABU-Kreisverband Fulda.

Hessische Naturfreundinnen und Naturfreunde, die das schöne und geschützte Tier bei einem Spaziergang gesehen haben, werden daher gebeten, ihre aktuellen Eisvogelbeobachtungen an den NABU weiterzuleiten.

Bitte melden Sie Ihre Beobachtungen telefonisch oder per E-Mail unter Angabe des Ortes und des Zeitpunktes der Beobachtung. Auch Totfunde und Eisvogel-Gefahrenstellen sind für den NABU von Interesse.

Zur Komplettierung des Beobachternetzes im Main-Kinzig-Kreis sucht der NABU zudem noch aufmerksame Eisvogelfans und Naturbeobachter, die Lust haben, im Arbeitskreis Eisvogel mitzumachen. Besondere Vorkenntnisse sind nicht erforderlich. Mitzubringen sind nur viel Spaß bei der Naturbeobachtung und ab und zu eine halbe Stunde Zeit, uns die Beobachtungen zu melden. Interessierte können sich bei Sibylle Winkel, Dr. Matthias Kuprian oder Richard Euler melden.

Eisvogel-Kontakttelefone:
Sibylle Winkel & Matthias Kuprian: 0173 3751 580   oder   0152 5792 9495
Richard Euler: 0163 7764 063 Eisvogel-E-Mail: s.winkel@nabu-mkk.de

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