Das Foto zeigt die Feuerwehr Alsfeld-Mitte bei einer der wenigen praktischen Übungen in 2020 bei der Fa. Gorsler. (Foto: Feuerwehr der Stadt Alsfeld)

„Wir hätten gerne Impfschutz“ – Die Feuerwehren warten immer noch

Ein Kommentar von Alsfelds Wehrführer Carsten Schmidt

ALSFELD
Rund 50 Mal rücken die ehrenamtlichen aus dem Alsfelder Feuerwehrhaus in diesem Jahr schon aus. In den letzten 10 Einsätzen waren es drei Verkehrsunfälle und zwei Unterstützungen des Rettungsdienstes. Hier arbeitet man „Hand in Hand“ mit hauptberuflichen Rettern. Polizei, Rettungsdienst, Rettungshubschrauberbesatzungen, alle schon geimpft.

Doch die Feuerwehren warten immer noch. In der Impfgruppe drei soll man dran sein. Wann das sein soll, kann niemand beantworten. Das, was die Stadt Alsfeld für ihre Retter tun kann, um sie zu schützen, ist schon lange passiert. Hier kann man sich aufeinander verlassen, schon immer. Viel hat sich geändert in der Feuerwehr. Die Fahrzeuge sind nicht mehr voll besetzt, um Abstand zu halten, FFP 2 Masken werden zur Verfügung gestellt, richtiges Verhalten wird geschult, viel mehr geht nicht. Immer wieder werden Maßnahmen angepasst und die Feuerwehrmitglieder über Newsletter informiert.

„Sie schützen sich, um andere retten zu können“
Die wichtigen Übungen in der Feuerwehr finden seit Monaten nicht mehr statt. Nur noch online. Die meisten Kommunen haben Sie ausgesetzt, auch wenn sie von Landesseite nie verboten waren. Die Feuerwehr darf immer üben, auch während des härtesten Lockdowns. Warum übt sie nicht? Die meisten Führungskräfte in Alsfeld haben zwei oder vierwöchige Vollzeit Lehrgänge im Bereich der Atomar-Biologische-Chemische Gefahren besucht. Sie wissen um die Gefahr von Viren. Also warten Sie, vermeiden Kontakte, begrenzen die Aufenthaltsdauer. Sie schützen sich, um andere noch retten zu können. Manchmal werden Sie belächelt von Kollegen am Arbeitsplatz. Viele Einsatzkräfte lassen sich testen, freiwillig mehrmals die Woche.

Im Mai will man wieder praktisch üben, die Pläne liegen in der Schublade. Dann mit Schnelltest. „Vor der Lage sein“ dies ist ein Grundsatz in der Feuerwehrführungsarbeit. Nicht auf Sicht fahren, sondern nach festen nachvollziehbaren Routen, vielleicht auch mal mit Umleitung, aber das Ziel immer in Sicht.

Manchmal ist es schwierig, Abstand zu halten. Bei Verkehrsunfällen krabbelt ein Feuerwehrmann/frau ins Unfallfrack. Der innere Retter. Er beruhigt den Verunfallten, erklärt, was passiert, assistiert noch dem Rettungsdienst. Die Unterstützung des Rettungsdienstes ist zu einem festen Bestandteil der Feuerwehrarbeit geworden. Ob die „Hilflose Person hinter Tür“, hinter der sich eine ganze Bandbreite an Einsätzen verbirgt, oder die Tragehilfe mit der Drehleiter. Hier werden erkrankte Personen mit der Drehleiter aus den Häusern gerettet, wenn der Weg durchs Treppenhaus zu schmal oder nicht möglich ist. Abstand in einem knapp 2 Meter langen und 1,2 Meter breiten Korb zu halten ist doch recht schwierig.

„Feuerwehrleute klagen selten, sie packen an“
Feuerwehrleute klagen selten. Sie packen an. Dafür sind Sie bekannt. Unfälle, Katastrophen, immer kommt zuerst die Feuerwehr. Viele haben als stillen Protest ihre „Social Media Accounts“ mit Hinweisen auf den mangelnden Impfschutz versehen. Landesfeuerwehrverbände trommeln und weisen auf den Missstand hin. Passiert ist bisher wenig. Impfgruppe 3 bleibt, da wäre man ja schon priorisiert. Im Kreis Olpe und im Hochsauerland werden die Feuerwehren mit Impfresten geimpft. Schon heute bleiben Feuerwehrleute Einsätzen fern, weil sie die Gefahr einer Ansteckung im Einsatz scheuen.

Leider fehlt der Feuerwehr die „Lobby“ an der richtigen Stelle. Hier ist man wohl der Meinung, die Feuerwehr ist gut ausgebildet und kann sich selbst schützen. Da sage ich doch mal ‚DANKE‘ für das Lob an die Ausbildung. Übrigens, der meist gebrauchte Helm bei der Feuerwehr ist aus Alu, sagt aber nichts über die Impfbereitschaft aus.

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